BÜCHERSCHAU DES TAGES: Vexierspielkünstler

Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt".




IN EIGENER SACHE: Zehn Jahre Perlentaucher

Der Perlentaucher wird am 15. März zehn Jahre alt. Er ist mit zwei Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse präsent.




HEUTE IN DEN FEUILLETONS: Muss ich etwas zu sagen haben?

Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix.




TELETAUCHER: New York, Leipzig, Luzern

Am Samstag spielt auf 3sat das Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding Broadway-Melodien und anschließend gibt es zwei "Leipziger Buchnächte" (3sat und MDR) mit prominenten Autoren. Der BR zeigt Caroline Links Debütfilm "Jenseits der Stille" (1996). Am Sonntag zeigt Arte einen Dokumentarfilm über Siri Hustvedt und präsentieren später Claudio Abbado und Yuja Wang vom Eröffnungskonzert des Lucerne Festivals 2009.




BÜCHERSCHAU DES TAGES: Das wäre ja der Tod

Die FAZ schwärmt vom lakonischen Witz in Tom Drurys Roman "Der Tod des Vandalismus", dem sie mit Begeisterung zu den skurrilsten Orten der amerikanischen Provinz folgt. Die Sagen der Säufer, Zocker und Loser lässt sich die FR von Clemens Meyer erzählen. Großes Lob vergibt die SZ an Andreas Schäfers Roman "Wir vier".




MEDIENTICKER: Starke Beißhemmung

Verrissen und verkauft: Helmut Böttiger über den Zustand der deutschen Literaturkritik und Michael Angeles Plädoyer für den Verriss - Buchpreis: Gänseblümchen statt Skandal - Raffinessen der Reproduktion  oder Wider die Diktatur des Originals: Wolfgang Ullrichs "Raffinierte Kunst" - Der Teufel blieb: Alfred Döblins monumentales "Erzählwerk" - Wolf Schneider über die "unendliche Geschwätzigkeit" der Blogger + Meinungsmacht Fernsehen.




TELETAUCHER: Frauenabend

Arte zeigt heute einen zweiteilgen Fernsehfilm über Hope Bridges Adams-Lehmann (1855-1916), die erste deutsche Ärztin und eine der Pionierinnen der Frauenbewegung: in der Hauptrolle Heike Makatsch. Die SWR-"Nachtkultur" erinnert an Bertha Benz, die erste Frau in einem Auto, und ab Mitternacht diskutiert Thea Dorn mit in ihren Gästen in "Literatur im Foyer" (SWR) über den Axolotl-Hype um Helene Hegemann.




IM ENTENTEICH: Alle Links zur Hegemann-Debatte

Nach der Leipziger Erklärung ist die Debatte um Helene Hegemann noch einmal hochgekocht. Hier ein Rückblick mit allen Links zur Debatte.




HEUTE IN DEN FEUILLETONS: Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker?




MELDUNGEN: Preis der Leipziger Buchmesse für Georg Klein

Nein, nicht Helene Hegemann bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse, sondern Georg Klein für seinen "Roman unserer Kindheit". Wir gratulieren dem Autor! Und für den Leser gibt es hier eine Leseprobe.




MEDIENTICKER: "Pornolotl"

Aktualisiert: Die Leipziger Buchpreisträger sind Georg Klein (Belletristik), Ulrich Raulff (Sachbuch) und Ulrich Blumenbach (Übersetzung) - Wie viel Doppelmoral verträgt der Leipziger Buchpreis? - Islamkonferenz: Necla Keleks Gespür für wunde Punkte und Navid Kermani warnt vor einem Scheitern: "Das ist ein Diktat, kein Dialog" - Interview mit Oskar Negt über die Missbrauchsdebatte + Verschollene Salinger-Briefe: "Wir gingen durch die Hölle".




ERZÄHLUNGEN: Gezwitscher

Das Telefon klingelte und der Anrufbeantworter sprang an, das Notebook meldete ein Twitter-Update und an der Haustür klopfte es unerhört selbstbewusst... Eine Erzählung




BÜCHERSCHAU DES TAGES: Dichtung und Tischtennis

Als tieftraurig und hochkomisch zugleich preist die SZ Jan Faktors Roman mit dem Monster-Titel "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag". Die FR lobt den Roman ebenfalls, aber mit Vorbehalten gegen seine Lustigkeit. Hingerissen ist sie auch von Nicholson Bakers Lyriker-Roman "Der Anthologist". Die FAZ schwärmt von Hans-Ulrich Treichels Berliner Heimatlosigkeitsroman "Grunewaldsee". Für die heute erschienene Literaturbeilage der Zeit werden wir noch ein paar Tage brauchen.




TELETAUCHER: Leipziger Allerlei

Die Leipziger Buchmesse öffnet ihre Pforten und das Fernsehen ist in den nächsten Tagen mit Sondersendungen dabei: Heute sortiert u. a. Gert Scobel in der "3satbuchzeit" die Stapel der Neuerscheinungen. Arte beschäftigt sich mit dem japanischen Film und dem "Sterben im Reich der Lust", das BR-InterKulturMagazin "puzzle" stellt den Sänger Nic Olsen vor und nach Mitternacht gibt es auf Arte wieder eine Jamsession mit Manu Katche.




HEUTE IN DEN FEUILLETONS: Arrondierte Männergruppen

Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld.




IM ENTENTEICH: Fantasie über die Zukunft des Schreibens

Als der Perlentaucher vor zehn Jahren ans Netz ging, sah die Welt noch anders aus. Bestimmte Formen des Schreibens waren noch gar nicht entstanden. Sie sind es, die die Öffentlichkeit verändern. Von Thierry Chervel




BÜCHERSCHAU DES TAGES: Doppeltes Glück

Die FAZ lernt mit Bernd Lichtenbergs Familienroman "Kolonie der Nomaden", die Angst vor dem kommenden Schrecken zu fürchten. Sehr unheimlich findet die NZZ auch Paulus Hochgatterers Roman "Das Matratzenhaus. Die SZ kann Justine Levys Roman "Schlechte Tochter" allen Frauen mit schwierigen Müttern empfehlen. Die FR liest Essays von Orhan Pamuk. Die heutige Literaturbeilage der FAZ werten wir in den nächsten Tagen.




IM KINO: Blick der Macht

In Erik Poppes "Troubled Water" stirbt ganz zu Anfang ein Kind. Während der Film die Ereignisse rückblickend aus verschiedenen Blickwinkeln auffächert, muss der Zuschauer seine Einstellung immer wieder neu justieren: Was weiß er, was nicht - was glaubt er, was nicht? Paul Greengrass schickt seinen Hauptdarsteller Matt Damon in die "Green Zone" des Irak. Wie genau es dort aussieht, verraten nur die Überwachungskameras.




MEDIENTICKER: Ich Buch, du E-Book

Zukunft des Buchhandels: Deutschlands erster iPad-Buchladen und GfK verzichtet auf E-Book-Statistik - Strobo-Technoprosa: Blogger Deef Pirmasens liest Airen - Mehr Werbung: Paid Content wird Online-Medien nicht helfen - Irak-Thriller "Green Zone": Halbgares aus dem Höllenlabyrinth - Punkrock-Konzert oder Putzhappening? Wo sich Singen unter der Dusche lohnt + Le puff puff noir: Ab sofort kann der morgendliche Kaffee inhaliert werden.




TELETAUCHER: Make love - not war

Arte beschäftigt sich heute mit der sexuellen Revolution der Flower-Power-Zeit. Auf 3sat lässt ein Dokumentarfilm (2007) ehemalige japanische Kamikazeflieger zu Wort kommen und Arte hat Yoji Yamadas Spielfilm "Samurai in der Dämmerung" (2002) im Programm. Der SF1-"Kulturplatz" zeigt u. a. Kathryn Bigelows Wurzeln in der Konzept-Kunst auf und das Arte-Magazin "KurzSchluss" zeigt nach Mitternacht drei Kurzfilme.




HEUTE IN DEN FEUILLETONS: Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers.




BÜCHERSCHAU DES TAGES: Wehrhafte Heiterkeit

Einfach brillant findet die NZZ, mit welch bitterer Lust und scharfem Geist Shahriar Mandanipur in seinem Roman "Eine iranische Liebesgeschichte zensieren" einen Iran ohne Hoffnung schildert. Die FR preist Georg Kleins "Roman unserer Kindheit" als Wundertüte der Erzählkunst (hier eine Leseprobe). Mit Begeisterung liest die FAZ Richard Obermayrs Roman "Das Fenster". Sehr empfehlen kann die SZ Juan Jose Millas' Roman "Meine Straße war die Welt", aber auch Erik Orsennas Reportage "Die Zukunft des Wassers". Die Literaturbeilage der SZ werden wir in den nächsten Tagen auswerten.




VIRTUALIENMARKT: Die stärksten Triebkräfte bei Büchern

Vor der Leizpziger Buchmesse: Ein Blick auf europäische Bestsellerlisten zeigt, dass keineswegs nur die angloamerikanischen Dampfmaschinen ziehen. Übersetzt wird trotzdem zu wenig, und es fehlen Übermittlungskanäle.




MEDIENTICKER: Schuld ist der Zeitgeist

Der Papst und der Missbrauch - Kirche und Medien: Am offenen Herzen - Eugen Drewermann: "Die katholische Kirche fürchtet den Kollaps" - Adolf Muschg: Nähe ist ein Lebensmittel, kein Missbrauch - Kultur der Wut: Zwischen Mittelstandsdepression und Amoklauf - Dietmar Dath über "Deutschland macht dicht" und wie die Website zum Buch das Schreiben verändert - Duckomenta II.: 5.000 Jahre Menschheitsgeschichte als Entengeschichte.




MAGAZINRUNDSCHAU: Weniger Glanz, mehr Knirschen

Die New York Times untersucht den neuen Realitätshunger. In Salon findet Andrzej Stasiuk nur individuelle Realitäten. In der Gazeta Wyborcza ergründet der Ethnologe Tomasz Rakowski die Realität der Armenschächtler. Manchmal sind Realitäten auch austauschbar, lernt El Pais Semanal von der Financial Times. Le Monde diplomatique informiert über den Stand der Verhandlungen zu Acta. Und der New Yorker erlebt die Kulturindustrie in Höchstform.




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